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Die „Waschkritik“

18. April 2010 Kommentare ausgeschaltet

Schauplatz meiner kleinen Geschichte ist eine fiktive Wohngemeinschaft. Da zwei Personen nicht ausreichen, um diese Geschichte auf eine WG zu übertragen, lege ich einfach mal fest, dass meine Gemeinschaft aus vier Personen besteht. Obwohl die Anzahl auch völlig nebensächlich ist.

Meine Protagonisten sind volljährig und haben mittlerweile soviel Lebenserfahrung, um erkannt zu haben, dass unsere Gesellschaft Bürokratie und Stumpfsinn liebt. Jede Tätigkeit muss analysiert, skizziert, geschildert, herausgearbeitet, begründet, bewiesen, protokolliert, beschrieben, dokumentiert, konzipiert und in allen Details verdeutlicht werden. Ob es jemanden interessiert oder es jemand liest ist dabei völlige Nebensache. Man macht das hier einfach so.

Damit kein Chaos in dieser Wohngemeinschaft einsteht, haben unsere Mitbewohner vor langer Zeit eine Aufgabenteilung festgelegt. So quillt der Müll nicht über, die Wäsche ist gewaschen, der Einkauf erledigt, die Bude gewienert usw. Die kleine WG-Welt ist völlig in Ordnung und alle sind zufrieden, bis …

… ja bis jemanden auffällt, dass diese kleine WG-Welt ja irgendwie unbürokratisch läuft. Oje, unsere Mitbewohner machen ihre Arbeit (weitestgehend ordentlich und zuverlässig) ohne das irgendwo dokumentiert ist, was jeder einzelne zu seinen täglichen Aufgaben zählt und wie er sie erledigt.

Das kann so nicht sein! Das muss geändert werden! Vom heutigen Tage an, läuft der Hase wie folgt:

Das Thema „Dreckwäsche“ soll als Beispiel dienen: Jeder produziert sie, also muss jeder seinen Senf beitragen. Wäsche wird nicht mehr einfach nur in die Wäschtonne geworfen, neeeiiiinnn. Für jede Waschladung wird eine Liste zusammengetragen, in der beschrieben steht welches Wäschstück, mit welchem Waschprogramm und welchen Waschmittel gewaschen wird. Außerdem wird notiert, mit welchen Wäschenstücken, aus den Schränken der Mitbewohner, der jeweilige Stück Stoff nicht gewaschen werden darf und das niemand die Nachbarin entkleiden darf, nur weil derjenige der Meinung ist, dass ihre Wäsche sich toll in der Waschmaschine der WG machen würde.

Derjenige Mitbewohner der schon immer zuverlässig Waschverantwortlicher war, muss sich zukünftig mit diesem 78 Seiten langen Krimi die Birne zermartern, da es ja sein könnte das auf Seite 46 Abschnitt 3 zum Wäschestück „blaue Socke von Mitbewohner 2“ „Gardinenwaschmittel bei 95 Grad kochen“ stehen könnte.

Damit auch klar ist, dass unser erfahrener Waschverantwortlicher auch alles richtig verstanden hat, dichtet er ein passendes Gegenstück die „Waschkritik“. In dieser „Waschkritik“ lässt sich unser Waschverantwortlicher darüber aus, wie er die einzelnen Wäschestücke in der Waschmaschine anordnet, ob sie halb aus der Trommel hängen dürfen oder ob er zum Fluss geht und das alte Waschbrett benutzt. Natürlich wird auf den Detailgrad dieser „Waschkritik“ großen Wert gelegt, daher nimmt sich unser Waschverantwortlicher jedes Wäschestück und beschreibt genau, welcher Versschmutzungsgrad gerade vorliegt und ob die Socke richtig sauber werden soll oder noch ein wenig stinken kann.

Der Waschverantwortliche der Wohngemeinschaft druckt seine „Waschkritik“ nun vor jeder Wäsche aus und legt sie in dreifacher Ausfertigung in des gemeinschaftliche Wohnzimmer, damit alle Mitbewohner wiederrum bekannt geben können, wie ihnen diese „Waschkritik“ gefallen hat. Um dem neuen Wohngemeinschaftsbürokratiegesetz zu entsprechen vermerkt jeweils mindestens ein Mitbewohner auf diesem zukünftigen Altpapier, ob er beim Lesen eingeschlafen ist oder ob die „Waschkritik“ als Klo-Lektüre was taugt.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens scheint für unsere vier Protagonisten, beantwortet zu sein. „Waschkritiken“, „The Story of Waste Managment“ und „Einkaufen für Dummies“ sind die neuen Bestseller in unserer WG. Alle Mitbewohner verkraften diese Bestzeller nur mit einer ordentlichen Dosis Drogen, doch alle haben Angst davor dem Wohngemeinschaftsbürokratiegesetzgeber mitzuteilen, dass sie doch gerne wieder einfach ihren Arbeiten nachgehen wollen.

Unser Waschverantwortlicher war nun letzte Woche der Sündenbock der WG. Seine letzte „Waschkritik“ wurde von seinen Mitbewohnern „zerrissen“ und erst Version 7.3 wurde als gelesen zum Altpapier zugeführt. Zwischenzeitlich liefen alle mit leicht müffelnder Kleidung umher und die Flecken in den Hemden wurden als neuer Modetrend deklariert. Der Waschverantwortliche würde gerne bügeln und die Wäsche ordentlich zusammengefaltet in den Schrank legen, wie er es früher tat, doch seit langem quälen ihn Nachts Alpträume von „Waschkritiken“.

Eine WG-Welt ohne Waschkritiken ist mittlerweile undenkbar, denn diese beonsders langen Ausarbeitungen eignen sich besonders gut zum Einwickeln des Bio-Mülls, als Unterlage für die Nassen Schuhe im Winter oder als Brennstoff für den WG-Kamin. Niemand fragt mehr, wozu diese „Waschkritiken“ geschrieben wurden, denn es ist mittlerweile Gewohnheit, dass sich der Zettelkram auf dem Altpapierstapel befindet. Gelesen hat sie keiner ein zweites Mal, was den Waschkritikenschreiber sehr traurig macht.

In der Zwischenzeit wurde selbst der gute alte Waschautomat mit einer „Waschkritiken“-Scannvorrichtung ausgesetattet. Möchte unser Waschverantwortlicher ein Waschprogramm starten, legt er die passende „Waschkritik“ in den Dokumentenscanner. Wobei der Scanner nicht die Inhalte analysiert und die Einstellungen am Waschvollautomat vornimmt, sondern nur platt das Vorhandensein und die Vollständigkeit der „Waschkritik“ prüft.

Eventuelle Parallelen zu Ereignissen oder Personen des realen Alltags sind absichtlich verschleiert. Wer diese Parallelen dennoch erkennt, könnte einmal darüber nachdenken, welchen Sinn und Zweck unser Tun tatsächlich hat und ob die dringende Notwenigkeit besteht, all dies zu tun.

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Unsinn des Lebens

21. August 2007 Kommentare ausgeschaltet

Es liegt zwar schon wieder ein paar Jahre zurück seit dem ich „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen habe, doch heute fiel mir beim lesen einer Konzeption, ein absolut treffender Absatz aus diesem herrlichen Buch, ein …

Dieser Planet hat – oder besser gesagt, hatte – ein Problem, die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und Her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten.

(Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis)

Manchmal sind die Dinge und Tätigkeiten mit denen wir uns Menschen Tag ein Tag aus beschäftigen so absurd, das ich nicht weis ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ich kann mir gut vorstellen, dass die wenigen Naturvölker und Ureinwohner auf unserer Erde, sich köstlich über unsere „zivilisierte“ Gesellschaft amüsieren könnten.

Wir sind allesamt echte Scherzkekse. Haben wir nichts besseres zu tun?

Weniger Leistung hat auch was

22. Juni 2007 Kommentare ausgeschaltet

Weniger Leistung hat auch was

Ich muss ja zugeben das ich mit meinem Auto gerne schnell fahre, denn früher ankommen heißt mehr Entspannung und mehr Zeit am Ziel. Mit schnell meine ich dabei Geschwindigkeiten größer 180, aber natürlich nur auf der freigegebenen Autobahn. Es stellt sich aber selbstverständlich auch die Frage was das soll. Diese Geschwindigkeiten sind mit deutlich größerem Risiko verbunden und eine Fahrt kostet entsprechend mehr.

Nun kommt der Vorschlag eine Höchstgeschwindigkeit für Neuwagen festzusetzen und wenn ich könnte würde ich so was sofort unterschreiben, mit der Auflage auch keine Sondergenehmigungen zuzulassen. Ich wäre sogar dafür eine Höchstgeschwindigkeit festzulegen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen einzuführen, eine Leistungsgrenze zu definieren und ein Importverbot für Fahrzeuge vorzugeben, die diesen Normen nicht entsprechen. Unserer Umwelt würde es zu Gute kommen, Fahrer von PS
starken Autos würden weniger Rasen, andere Autofahrer bedrängen und Unfälle bei hohen Geschwindigkeiten würden reduziert werden.

Persönlich würde ich eine Leitungsgrenze für Pkws bei 75 PS sehen, kein Mensch braucht in Wirklichkeit mehr. Die Industrie könnte sich dann in Zukunft auf die Entwicklung von Motoren konzentrieren, die effizienter und umweltschonender sind.

Also Leute lasst uns unsere Werkstätten besuchen und unsere Pkws alle kollektiv auf 75 PS drosseln. Mein Auto würde gute 55 PS verlieren, aber das ist doch kein Beinbruch, von A nach B komme ich immer noch. Außerdem habe ich es eh nicht mehr lange …

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Politiker haben das “Killerspiel” erfunden

22. November 2006 Kommentare ausgeschaltet

Nun ist es wieder einmal soweit. Ein junger Mensch ist durchgedreht und Amok gelaufen. Seine 18 Jahre, machen ihn zum idealen Kandidaten, um ihn in die Schublade „Killerspiele-Zocker“ zu stecken. Dieses Wort „Killerspiel“ könnte glatt von einem Titel der Bild stammen. Ein Wort das für einen guten Medienhype sorgt und sich gut vermarkten lässt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Entwickler der angeprangerten Spiele, ihre Werke als Killerspiele bezeichnen oder speziell dafür vorgesehen haben.
Unsere verzweifelten Politiker propagieren den Verbot von Unterhaltungssoftware (in ihrem Sprachgebrauch pauschal „Killerspiele“), um sich vor der eigentlichen Verantwortung, einer komplizierten Analyse und umfassenden Maßnahmen zu drücken. Offensichtlich gibt es einige Kleingeister in unserer Gesellschaft die auf Grund ihres Umfeldes, ihrer Probleme, ihres Elternhauses und ihres Pädagogen, in das gesellschaftliche Abseits geraten. Diese Menschen haben Probleme in Form von Depressionen, mangelndem Selbstwertgefühl oder mangelndem Intellekt. In der Erziehung im Elternhaus und in der Schule muss etwas schief gelaufen sein, dass Menschen blind auf solche radikalen Ziele zusteuern. Ich will nicht behaupten, dass Spiele keinen Einfluss auf Menschen haben. Ich spreche mich aber dagegen aus, Spiele für das reale Töten, zur Verantwortung zu ziehen. Diese Spiele bilden keine Attentäter, Amokläufer oder Massenmörder aus. Wir werden in Deutschland zur Zahlung von GEZ-Gebühren gezwungen. Diese Gebühren zahlen wir, damit auf den öffentlich rechtlichen Sendern (quasi Zwangs-Pay-TV) fast täglich Krimis laufen. Fernsehfilme oder -serien in denen sich Gangster und Polizei wilde Verfolgungsjagden und Schießereien liefern. Täglich werden wir mit Bildern von Gewalt überflutet, die zur Unterhaltung bereit gestellt werden. Jeder junge Mann wird in Deutschland noch vor seinem zwanzigsten Lebensjahr zur Musterung gerufen, mit dem Ziel sie zur Wehrpflicht zu rekrutieren. Wir Männer werden an realen Waffen ausgebildet. Wir werden ausgebildet diese Waffen optimal einsetzen zu können, was im Endeffekt zu Abschreckung, Verletzung des Gegners oder zum Töten dient. Eine Ausbildung zum Katastrophenschutz oder zur Führung von Debatten erfolgt in der Wehrpflicht nicht. Nein, wir bekommen in den ersten Tagen eine Waffe in die Hand gedrückt, die klar gegen die Menschen in „Blauland“ oder „Rotland“ verwendet werden soll. Diese Gratisausbildung ist sicher praktisch für jeden Amokläufer. In der Elternhäusern Deutschlands scheint Ignoranz und Desinteresse, einen höheren Stellenwert zu haben, als unsere Politiker wahrhaben möchten. Viele Eltern scheinen ihren Schützlingen kaum noch Werte zu vermitteln oder sie auf den richtigen Weg zu lenken. Wenn solche Dinge wie „richtig“ und „falsch“ in den Köpfen der jungen Menschen einen Bedeutung hätten, dann hätten wir weniger Gewalt an Schulen und ein besseres soziales Miteinander. Eltern sind in diesem Land gestresst und einem hohen Druck ausgesetzt, so dass die Erziehung unserer Nachkommen und unserer zukünftigen Generation viel zu kurz kommen. Die Eltern können der rasanten Entwicklung nicht mehr folgen, was letztendlich zur Resignation fährt. Sie geben einfach auf zu versuchen, mit der Entwicklung ihrer Kinder mithalten zu können. Wenn ein zehnjähriger ein tolles Spiel bekommt, dass er unbedingt haben möchte, bedeutet dies für Eltern um Umkehrschluss ein Ruhiggestelltes Kind für ein paar Stunden täglich. Welche Inhalte dieses Spiel bietet, dafür haben sie meist kein Verständnis, weil sie von den Medien nicht viel verstehen. Ein Kollege von mir würde jetzt sagen „den Eltern fehlt der Führerschein für Kinder“, dem kann ich mich nur anschließen. Genauso stellt sich die Frage wie in Schulen, der Umgang mit den Medien der heutigen Zeit, gelehrt wird. Werden die Inhalte von Kinofilmen, Fernsehserien, Nachrichten und Videospielen thematisiert? Ich vermute fast nein. Ich denke Schüler müssen von Erwachsenen Menschen im Umgang mit diesen Medien geschult werden. Die Inhalte und Themen müssen hinterfragt werden. Viele Pädagogen werden mit den Medien überfordert sein, doch das darf keine Entschuldigung sein. Meine Freundin hat eine vollschulische Ausbildung zur TA Datenverarbeitung im Bauswesen gemacht. Die wenigen PCs der Computerräume wurden von Schülern zum Spielen von Counter Strike während des Unterrichts genutzt und die Berufsausbilder haben es wissentlich toleriert. Lernwillige Berufsschüler wurden bestraft, wenn sie IT-Techniken verwendeten, um an Informationen zum aktuellen Unterrichtsthema zu gelangen. Zwischen denjenigen Schüler die sich taktische Schlachten mit virtuellen Terroristen lieferten und den Lehrern die gerade unterrichteten, bestand eine beidseitige Ignoranz. Solche Lehrer gehören meiner Ansicht nach suspendiert und die Schüler mit disziplinarischen Maßnahmen bestraft. Man könnte fast meinen unsere Politiker tragen Scheuklappen oder sind einseitig blind oder taub. Ohne Waffen gibt es keinen Toten, wie kommt ein 18 Jähriger an ein ganzes Waffenarsenal? Wenn eure Gesetze und Gesetzeshüter unfähig sind, Waffen aus unserer Gesellschaft, als den Kinderzimmern und aus den Schulen zu tilgen, dann solltet ihr dort als erstes ansetzen. Warum müssen real nachgebildete Pistolen, Gewahre und Granaten in den Regalen der Spielzeugabteilungen hängen? Warum toleriert ihr das unsere Kleinsten mit echt aussehenden Waffen spielen können?
Liebe Politiker, wenn ihr meint ein Verbot eurer „Killerspiele“ würde dazu beitragen, dass diese vom Planeten Erde getilgt werden, habt ihr euch mächtig geschnitten. Solange jegliche Art von Spielen existieren, werden sie den Weg in die Kinderzimmer der Jugend finden. Nur eine gesamte und umfassende Korrektur der Ursachen eines solchen Vorfalls ist eine Lösung. Alle Aspekte die eine solche Tat ermöglichen müssen betrachtet werden.
Den Betroffenen in Emsdetten möchte ich mein Beileid aussprechen, für unsere Politiker bleibt mir nur ein Kopfschütteln.
(Ich hoffe ich habe jetzt keine Gedanken vergessen, sonst muss ich für Nachschlag sorgen.)

 

Love is everything